von Ex-Kötter-Mitarbeiter » 16 Feb 2014, 15:13
Sehr viele fleißige, anständige und ehrliche Kollegen hatte ich über etliche Jahre in der Kötter NL Düsseldorf.
Allerdings gab es ein ganz großes Problem. Sie wehrten sich nicht, stattdessen jammerten und klagten sie.
Als jedoch endlich ein Mal einer (moi!) die Phalanx dieses Haufens aus Geschäftsführer, Niederlassungsleiter und Einsatzleiter durchbrach, nein, dann preschten sie nicht nach. Sie hielten sich auch dann noch immer zurück, bestanden weiterhin nicht auf Nachzahlung von nicht abgerechneten Stunden, bestanden weiterhin nicht auf rechtzeitig erstellte Dienstpläne, die nicht erst drei Tage vor Wochenbeginn stehen und für nur eine Woche gelten. Stattdessen wurde ich missgünstigst beäugt nach dem Motto: "So was Unverschämtes, wieso lässt der sich nicht f*ck*n, wir lassen uns ja auch..."
Nein, im Grunde seid ihr alle selber schuld für eure Misslage bei Kötter. Warum sollen sie denn etwas ändern und auf Bequemlichkeiten bei ihrer Arbeit verzichten, indem sie endlich besser organisieren und vorausschauend arbeiten, wenn ihr letztlich doch immer einspringt, wenn sie rufen? Warum sollen sie auf Extragewinne verzichten, wenn wirklich alle Mitarbeiter auf die Nachzahlung von durchschnittlich 5-10 nicht abgerechneten Arbeitsstunden im Monat durch mäuschenhaftes Stillhalten verzichten?
Für nicht einmal 10 Euro lief ich mir damals, körperlich zunehmend abgewrackter durch die reine Nachtarbeit, als Revierfahrer die Haxen wund. Das ist ja wahnsinnig viel Geld, liegt schließlich ganz weit über dem Mindestlohn, der nun bald eingeführt werden soll, nicht wahr? Kötter, Du bist ein Wohltäter! Ohne Pausen, stundenlang gehetzt, haben wir in jeder Arbeitsstunde enorme Umsätze gemacht: Kötter verlangte Akkordarbeit, berechnete dem Kunden bspw. 20 Minuten für eine nächtliche Kontrolle zu einem durchaus fairen Preis, gab uns aber nur 10 Minuten, wir sind ja trainierte Profis mit schnellen Beinen und geschultem Blick...
Die nächtlichen Revierdienste und kurzfristigen Bewachungsdienste bringen dermaßen viel Geld ein, dass Kötter in wenigen Jahren von einem Unternehmen mit rund 8'000 Mitarbeitern auf eines mit über 16'000 angewachsen ist. Durch operatives Wachstum? Blödsinn! Die kauften jedes Jahr in Deutschland kleinere bishin zu größeren, teils sehr alten und etablierten Unternehmen mit entsprechendem treuen Kundenstamm auf. Dermaßen viel Gewinn machten die vor allem mit den genannten Diensten! Für anständige Löhne fehlte dann freilich das Geld, irgendwo auch nachvollziehbar.
Und sie ließen sich feiern als Arbeitsplatzbeschaffer... Was für ein Hohn! Fakt ist: Sie kauften Unternehmen auf, es entstanden keine neuen Arbeitsplätze. Im Gegenteil, unterm Strich verloren wir in der NL Düsseldorf jedes Jahr (!) mehr Kunden, als wir neue hinzu gewannen.
Am Flughafen Düsseldorf haben sie keinen einzigen neuen Arbeitsplatz geschaffen. Auch hier haben sie sich lediglich bereits bestehende "gekrallt". Waren es ehemals gut ausgebildete und bezahlte Beamte, sind es nun ausnahmslos ehemalige Arbeitslose, teils Langheitarbeitslose, deren sogenannte Ausbildung in der - wirklich wahr! - köttereigenen "Akademie" in Essen (heißt tatsächlich so...) für sehr teures Geld von der Arbeitsagentur bezahlt wird. Auf die Prämien dafür, dass man sie von der Arbeitslosigkeit befreite, waren sie, wie in anderen Unternehmenssparten auch, ganz besonders scharf.
Ganz problematisch sind die Jahresverträge auf Stundenbasis, die etliche Jahre nur um ein weiteres Jahr verlängert wurden. Das hartnäckige Reklamieren wegen fehlenden Geldes und das Nein-sagen bei Aufforderungen zum kurzfristen Einspringen traute sich am Ende erst recht niemand mehr.
Leute, wenn ihr Geld verdienen wollt, ich meine, welches, von dem ihr halbwegs anständig leben könnt, ohne stets angst und bange zu sein, dass die Waschmaschine kaputt gehen oder der Spritpreis um 10 Cent steigen könnte, dann müsst ihr zuerst einmal verstehen:
Erstens, dass die Arbeitgeber in der Security-Branche sehr mächtige Verbündete haben: Hartz 4 und ein riesiger Markt aus potenziellen Arbeitnehmern. Die Kunden erwarten keine gute Leistung mehr, sie sind vollends desillusioniert. Hauptsache es kostet wenig und die Versicherung zahlt im Schadensfall. Deswegen kommt im Grunde fast JEDER als Security auch bei Kötter infrage, solange er gehen, sehen und hören kann und später schön die Klappe bei den ganzen Unzulänglichkeiten hält.
Zweitens müsst ihr begreifen, dass ihr bei diesen Bedingungen niemals auf einen grünen Zweig kommt. Was ist also zu tun? Arbeitet konsequent nur 80%, kämpft darum, wegen des lukrativen Sonntagszuschlags auf zwei Sonntage im Monat zu kommen, haltet eure privaten Ausgaben extrem niedrig und: Lernt! Qualifiziert euch für etwas, was nicht jeder Homo Sapiens auf die Reihe bekommt. Ansonsten werdet ihr immer älter und erreicht plötzlich das Rentenalter, aber nur, um auch dann weiterhin für Kötter zu arbeiten - meistens auf kalten, zugigen Baustellen - um die lausige Rente so aufzubessern, dass ihr wenigstens auch weiterhin was zum Essen, zum Trinken und einen Raum zum Schlafen habt.
Es tut mir leid. Das ist leider die Realität.